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Posts Tagged ‘Versuchung’

Das Wort „Versuchung“ aus der Bibel hat durch den religiösen Hintergrund, den die Kirche (nicht Jesus!!!) geschaffen hat einen sehr unangenehmen Beigeschmack für viele Menschen. Es klingt so nach: „Ich will etwas, aber ich darf nicht, sonst kriege ich Haue von Gott….“ Dieses Gottesbild ist jedoch völlig verdreht. Was in den Beichtstühlen der Kirchen abgelaufen ist und vermutlich noch abläuft hat mit dem Königreich Gottes nichts zu tun. Mir erscheint es wie eine Art Ablasshandel: „Du sagst mir deine Sünden, und ich gebe dir ein paar Aufgaben. Wenn du die erfüllst, sind sie vergeben.“ Mit anderen Worten: „Dann kannst du einfach weiter sündigen bis zur nächsten Beichte…“

Ich gebe zu, ich weiß nicht, ob das heute noch so gehandhabt wird. Doch als ich klein war, kannte ich ein katholisches Mädchen aus der Nachbarschaft. Ich war evangelisch und neugierig, wie es bei den Katholiken so zugeht. Sie erzählte mir, dass sie einmal pro Woche zur Beichte gehen müsse, dass sie dort ihre Sünden bekennen müsse, also alles was sie an Unrechtem getan hat, dass dort der Priester sich das durch ein Gitter anhörte und ihr dann zur Strafe gewisse Dinge aufbrummte, etwa wie 10 mal das Vaterunser zu beten oder eine Woche kein Fernsehen zu gucken oder ähnliches….

Laut Kirche sind Versuchungen das, was uns zu bösen Taten anstiften kann, die gegen eines oder mehrere der 10 Gebote stehen. Dahinter steht das Gottesbild von einem strafenden Gott, der Gesetze aufstellt, die niemand einhalten kann, um dann mit strenger Hand zu strafen. Uuuuuh…. Was ist das für ein Gottesbild… Was für ein Gott soll das sein? Etwa ein Gott der Liebe? Das kann doch nicht stimmen! Dieses Bild ist nicht nur schief, sondern es ist eine Lüge. Die Worte der Bibel werden hier fehl interpretiert, und zwar nicht etwa, um die Menschen zu Gott zu führen – sondern um die Macht der Kirche zu stärken!

Es geht um Beziehung

„Versuchung“ ist in der Bibel ganz anders gemeint. Es geht um nichts anderes als um Beziehung und Nähe zu Gott. Es geht darum: was hält uns in Seiner Gegenwart und was trennt uns ab? Versuchungen führen zur Abtrennung, sie führen in die falsche Richtung. Dieser, unser Schöpfer-Gott ist gut, und Er will tatsächlich aus uns gute Menschen machen, damit Er uns immer nah sein kann. Denn: mit dem Gegenteil von Gut kann Gott sich nicht eins machen.

Alles was uns zu Eigenmächtigkeit und Egoismus (handeln ohne Gott) verführt ist Versuchung. Die Versuchung ist das, was uns dazu überreden will, dem zu folgen, wovon wir wissen, dass es nicht gut wäre. Nicht gut für unsere Beziehung zu Gott, und damit nicht gut für uns. Es geht NICHT darum, aus eigener Kraft gewissen Gesetzen zu folgen, sondern es geht darum, sich mit allem sofort an Gott zu wenden, es mit Ihm zu besprechen, Seine Antwort auf das Problem abzuwarten, sich Ihm so lange hin zu halten, bis Seine Antwort in uns hinein sickert, bis wir Seine Gedanken dazu zu kennen – um zu erfahren, was in Wahrheit das Beste für uns ist. Denn wer sollte es besser wissen als Gott?

Die Voraussetzung dazu ist natürlich, dass wir in dem Status sind, dass wir Gott hören können, dass wir also getauft und wiedergeboren sind, dass der Heilige Geist in uns wohnt, und uns jemand (auch die Bibel ist ein „Jemand“, denn aus ihr spricht der Heilige Geist) in die direkte Beziehung zu Gott geführt hat. Der „normale“ Mensch, der tief in die Welt verstrickt und in seiner alten Natur gefangen ist hat es schwer, Versuchungen zu erkennen und noch viel mehr ihnen zu widerstehen.

Wir können aber mit Gottes Hilfe lernen, unseren Impulse und Ideen nicht unmittelbar zu folgen, sondern ihren Inhalt mit Ihm, Gottes Wort und Seiner Liebe abzugleichen. Ist das was wir wollen, wofür wir uns gerade entscheiden, wirklich aus Liebe geboren? Ist das was wir denken und tun aus Liebe geboren? Oder dient es unserem Egoismus, Eigennutz, unseren persönlichen Zielen? Stellen wir uns selbst an die erste Stelle?

Zuerst kommt Gott… dann ich…

Es ist heute sehr modern und wird überall gepredigt, dass es darum geht, sich selbst zu lieben, dann würden wir auch andere lieben können. Doch das ist nicht wahr! Es geht zuerst darum, Gott zu lieben, dann erkennen wir Seine Liebe zu uns, und WEIL wir dann erfahren, dass Er uns liebt und total annimmt, können wir uns DURCH Seine Liebe und IN Seiner Liebe endlich auch selbst annehmen und lieben. Denn wir sind Ihm das Wertvollste! DANN erst können wir wirklich andere lieben wie uns selbst, denn wir wissen, dass Gott den Anderen genauso liebt, wie Er uns liebt.
Der Schlüssel zu allem Heilsamen – jenseits jedweden Egoismus – ist Gott, ist Seine Liebe und Seine Vergebungs-Kraft.

Es gibt vielfältige Versuchungen. Alle, auch die kleinsten Entscheidungen, die wir treffen müssen, sind von Wichtigkeit für unseren inneren Frieden und für unsere Nähe zu Gott. Eine kleine falsche Entscheidung, und schon ist Unsicherheit da, und schon kommen Gedanken von Rechtfertigung, und schon kommen ungute Gefühle von schlechtem Gewissen, von nicht-wahr-haben-wollen… all das trennt uns davon ab, weiter in Seiner Gegenwart zu ruhen.

Es ist nicht schlimm, wenn wir einmal einer Versuchung erliegen. Schlimm ist, wenn wir dabei bleiben! Wenn wir Ihn auch dann nicht fragen, wenn wir uns nach einer Entscheidung, einer Handlung nicht mehr gut fühlen. Wenn wir darauf beharren und darin bleiben, dann kommt ein Gefühl der Leere, der Orientierungslosigkeit, der Verlorenheit – verloren in unserem eigenen, schattigen Ego-Reich… Wir sind einen Abzweig gegangen, der ins Leere führt und nicht in die Fülle der Liebe unseres Gottes. Ohne diese Liebe sind wir verloren, was wir auch gefühlsmäßig wahr nehmen können. Dann ist es Zeit zur Umkehr.

Judas hätte sich entscheiden können, Jesus nicht zu verraten, hätte Er Gott gefragt was richtig ist. Er hatte den freien Willen, sich an Gott zu wenden, oder seinen Egoismus und seine Geldgier (30 Silberlinge…) entscheiden zu lassen. Wir können unseren freien Willen dazu benutzen, uns immer wieder für die Hinwendung zu Gott zu entscheiden, um uns dann von Ihm die Kraft zu holen, uns anhand Seiner Leitung richtig zu entscheiden. Es heißt in der Bibel:

„…denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen.“ Phil. 2,13

Beides kommt von Ihm! Auch das Vollbringen. Wenden wir uns an Ihn im intimen Gebet/Gespräch wird Er uns nicht ohne Lösung lassen, denn Gott liebt uns ja. Er ist unser Vater! Er möchte uns nicht mit unmenschlichen Gesetzen quälen, sondern Er möchte mit uns zusammen durch alles hindurch gehen und uns reifen sehen.

Wie jeder Vater, der Seine Kinder lehren möchte, braucht es dazu auch Erziehung, und die ist uns natürlich nicht angenehm. Gott lässt uns den Raum, dass wir weg laufen UND wieder zurück kommen können, ohne dass Er grollt. Wir dürfen unsere Erfahrungen machen. Sein Geschenk ist die unbändige Freude des verlorenen Sohnes in der Bibel, der nach Seiner Rückkehr vom Vater ohne Vorwürfe in die Arme genommen wird (Luk. 15, 11-32). Die Versuchung will uns weg treiben, Versuchungen sind normal, jeder hat sie. Sie sind die Stolpersteine des Lebens, und wir dürfen an ihnen wachsen.

Foto Schlange: Image-ID Pixelio: 777741 Erwin Lorenzen

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