Am 31.12.11 ist meine Mutter gestorben. Sehr plötzlich, weil durch einen Sturz und einen Oberschenkelhalsbruch, der schnell operiert werden musste. Nach der OP, noch in der Narkose blieb ihr Herz stehen. Es war ein Schock, und doch war in mir sofort der Satz „es ist gut“. Es ist gut, denn es wäre für sie schrecklich gewesen, wochenlang im Gips liegen zu müssen, sich nicht bewegen zu können, Schmerzen zu haben, dann mühsam wieder laufen lernen zu müssen. Es wäre schrecklich gewesen, denn sie wollte doch ohnehin nicht mehr wirklich hier sein. Sie hatte im Grunde nur noch abgewartet, bis sie endlich nicht mehr aufwacht.
Ich war gerade auf diesem wunderschönen und sehr außergewöhnlichen Seminar von Gerd-Bodhi Ziegler auf der Tromm. Ich war eingebettet in Liebe und in tiefe Prozesse. Mein Partner und ich fuhren dann nach der Nachricht ins Lindenfelser Krankenhaus, wo meine Mutter in einem Bett lag, das Kinn hoch gebunden und still.
Ich setzte mich zu ihr ans Bett uns sah sie ganz deutlich atmen. Sie hatte es noch nicht begriffen. Sie wollte mir all das erzählen, was ihr an diesem Morgen passiert war, sie war noch ganz aufgeregt. Ich sagte ihr in der Stille: „Mamma, du bist gestorben. Du bist jetzt frei. Du kannst jetzt gehen wohin du möchtest. Du brauchst diesen Körper nicht mehr. Papa ist da und freut sich, dass du jetzt kommst.“ Und ich spürte meinen Vater anwesend und eine große Freude in ihr über das Wiedersehen. Ein Jauchzen und ein Tanzen.
Walther sagte: „Sie sieht so aristokratisch aus.“ Ja, so sah sie wirklich aus.
In den folgenden Tagen wechselten sich die Gefühle ständig ab, und ich fühlte sie alle durch. Große Trauer, immer wieder, dass ich sie nicht mehr in den Arm nehmen konnte. Erleichterung, weil jetzt vieles von mir abfallen darf. Und tausend Bilder aus der Kindheit stiegen auf. Gute Bilder, Bilder von Wärme, Fürsorge und Liebe. Aber vor allem kam mir ihr wahrer Charakter so nah, vor allem in der Nacht zum 7. Januar. So viel Stille, so weit…. In der Nacht habe ich kaum geschlafen, so tief war die Stille und so wach war alles in mir. Als ich mich ins Bett legte, umflog mich stundenlang ihr Duft. Es roch so gut, sie hatte immer gut gerochen, sie war immer sauber und hatte niemals einen schlechten Geruch oder Atem. Deshalb nahm ich sie so gerne in den Arm, und roch in den letzten Tagen an ihren Kleidern, um sie ganz zu spüren. An diesem Abend, als ich im Bett lag, roch es so sehr nach ihren Parfüms, wirklich köstlich. Und ich konnte ganz eintauchen in diese Qualität, die sie eigentlich war.
Was sie für mich ausmachte war ihre Güte, die ich vor allem als Kind so sehr erlebte. Es war auch das, dass sie für mich einstand. Sie glaubte mir, wenn ich sagte, der Lehrer habe mich zu Unrecht bestraft und ging mit mir zu ihm und sagte: „Wenn meine Tochter sagt, dass sie es nicht war, dann war sie es nicht. Diese Strafe war ungerecht.“ Und der Lehrer spürte ihre und meine Authentizität und entschuldigte sich bei mir. Das war großartig von ihr. Ihre eindringlichsten Botschaften waren alle aufbauend und positiv. Sie sagte einmal zu mir: „Du kannst alles erreichen was du möchtest, wenn du es wirklich willst.“ Dieser Satz hatte sich in mir eingebrannt, und er hat sich bewahrheitet. Sie hätte niemals einen Menschen blamiert, sie war immer voller Achtung. Sie gab immer aus vollem Herzen, sie brauchte nur wenig und verschenkte an ihre Freunde und Bekannte, was immer sie nicht mehr brauchte. Sie spendete ihr Leben lang, war lange Jahre beim ‚roten Kreuz‘, sie arbeitete gern mit behinderten Kindern und liebte sie sehr, und sie hatte eine Haltung von Freigiebigkeit, die man selten findet. Ihre Putzhilfen bekamen ständig Dinge geschenkt, die sie nicht mehr brauchte. Ihre Ratschläge waren immer sehr wertvoll und gut. Als ich einmal abtreiben wollte im Alter von 35 sagte sie: „Du würdest es dein Leben lang bereuen, das ist deine letzte Chance, ein Kind zu haben, und es wird schon irgendwie gehen.“ Und wenn ich heute meinen Sohn betrachte…. er ist so ein wertvoller, wunderbarer Mensch, dass ich den Gedanken kaum ertragen kann, es gäbe ihn nicht. Auch wenn die Jahre oft schwer, sehr schwer waren, ich bereue keine Sekunde.
Meine Mutter war tatsächlich ein aristokratischer Mensch. Obwohl aus einfachen Verhältnissen stammend, aus einer Metzgers-Familie, hatte sie einen adeligen Charakter. Sie war musikalisch und spielte herrlich schwungvolle Lieder, ohne eine Note dafür zu brauchen. Oft stand ich als Kind am Klavier und lauschte ihr fasziniert. Da war viel Freude in ihrer Seele, obwohl die Ehe meiner Eltern oft nicht einfach war, denn mein Vater hatte eine cholerische Seite, die nicht leicht zu nehmen war. Sie hielt meinem Vater die Treue und konnte, trotz vieler Missstimmungen, seine guten Eigenschaften schätzen. Und mein Vater hätte niemals ohne sie leben können.
Vorletzte Nacht nun war sie die ganze Nacht um mich und zeigte mir ihre Seele, wie sie wirklich war, und wie ich sie in den letzten Jahren nicht mehr hatte sehen können, weil unsere Beziehung und ihre Ansprüche an mich das Bild in mir verzerrt hatten. Diese gereinigte Schwingung war sehr, sehr hoch, frei von Körperlichkeit, frei von Meinungen oder Vorstellungen, da war einfach nur eine wunderbare Qualität von Adel. Wahrem Adel. Und das nach einem Tag, an dem ich vor Trauer keine Freude in mir finden konnte. Und es schien mir, als wollte sie sich mir zeigen, wie sie eigentlich ist, was sie eigentlich ist, WER sie eigentlich ist.
Mir wurde klar was ich schon wusste, doch nicht so tief und eindringlich, dass wir tatsächlich alle Seelen sind, die sich hier bekleiden, und von den Umständen und dem Materiellen entstellt werden. So spürte ich auch den anderen Seelen nach, die in meinem Leben waren und sind, auch meiner eigenen, um zu erfahren, welche Schwingung sie haben, wenn sie von all dem gereinigt sind, was hier bedrückt und bedrängt. Und welches Aha-Erlebnis…
Wir sind alle Engel, die sich mit großem Mut auf diesen Leidensweg hier begeben haben, sozusagen „gefallene Engel“, die ihr Licht oft selbst nicht sehen und verbergen hinter all dem was hier entsteht und entstanden ist durch all die Verletzungen, Emotionen und Gedanken. Doch wenn man sich darauf einstellt, kann man die wahre Qualität spüren. Eine Qualität, die göttlichen Ursprungs ist. Und all das ist gleichzeitig da. Das physische Leben mit all seinen Freuden und Leiden, die Seele in ihrer reinen und guten Qualität und die große, zarte Weite und Unendlichkeit, die all das ins Leben gerufen hat, das Göttliche. Sat, Chit, Ananda. Gutheit. Ein großes JA zum LEBEN.
Ich habe mich dann erinnert, dass das Weltbild von Daskalos genau das beschreibt. Ich war früher auf vielen Seminaren, die ein Schüler von ihm, Paul Skorpen, gab, und in denen ich dieses Wissen mit Verstand und Gefühl aufsog wie ein Schwamm. Doch erst heute weiß ich, was es wirklich bedeutet. Denn jede Seele hat eine andere Schwingung, und eine ganz besondere Grundschwingung. Meine ist anders als die meines Bruders, meines Vaters oder meiner Mutter. So sehe ich bei meinem Bruder die große Akzeptanz, Hingabefähigkeit, Bescheidenheit und Stille, und die schönste Eigenschaft: Dankbarkeit. Die Hingabefähigkeit hatte auch mein Vater, der auch große Demut in sich trug. In mir sehe ich den Idealismus und die Liebe, die helfen möchte und sich zuwendet. Mein Partner hat die gleiche Schwingung, deshalb fühlen wir uns so Eins.
Laut Daskalos kommen alle Seelen aus „Monaden“. Nun habe ich bei Wikipedia nach dem Begriff „Monade“ geschaut und bin fasziniert von den Gedanken von Leibniz. So empfinde ich es auch. http://de.wikipedia.org/wiki/Monade_%28Philosophie%29
Worin ich mir sicher bin, ist, dass alle Seelen gut sind, weil Gott gut ist. Könnten wir in allen Menschen immer ihr wahres und schönes Destillat sehen, würde das sogenannte „Böse“ mehr und mehr abfallen. Aber wie es nun mal ist: wir haben uns vergessen. Doch wir können uns erinnern. Das wünsche ich uns und allen Menschen zu diesem neuen Jahr, in Zeiten, in denen wir mehr und mehr die Chance haben, uns zu erinnern an unseren Ursprung, an unsere wahre Gutheit, an unsere göttlichen Eigenschaften.


eine wunderschöne Hommage auf deine Mama………und ich denke jdesmal mit Dankbarkeit und Freude an Sie, wenn ich die vielen gehäkelten Kleiderbügel in meinem Schrank sehe.
Alles Liebe ihr…….in der Freiheit des Lichts.
Die Kleiderbügel sind wirklich ihr Markenzeichen der letzten Jahre… sie hat so viele Menschen damit beschenkt. Ich freue mich, dass du so lieb an sie denkst, Ingrid! Bei so vielen guten Wünschen kann es ihr jetzt nicht schlecht gehen! Danke, Liebe!♥
gabi
so weise, so liebevoll…
danke!
Danke, Roswitha, ich bin selbst so dankbar für alles…. ♥
Schön das ich ihr begegnen durfte. Alles Liebe, Gabi.
Lieber Henrik, danke für die lieben Worte und Gedanken! Sende dir ganz herzliche Grüße gen Norden… nicht weit davon haben meine Eltern ja lange gelebt… aber das weißt du ja schon… Drück dich,
gabi
,,Danke Arisa
Danke für die Erinnerung wer wir Wirklich sind,
Danke an Deine Mutter das Sie Deinen Diamant geschliffen hat,
was für ein Geschenk an uns Alle,
Danke für Ihre Liebe,
ich verneige mich in tiefen Respekt und Anerkennung,
Rainer
Lieber Rainer,
danke für die herzlichen Worte, die Arisa gelten, ich werde sie ihr weiter geben. Sie hat diesen Artikel auf FB geteilt, nicht ihn selbst geschrieben. Aber das macht nichts, wir sind ja ohnehin alle Eins. Ich hoffe aber, dass es Arisas Mutter gut geht.
Herzliche Grüße,
gabi
in Liebe ♥
Du Herz in meinem Herzen……….♥
Danke, Gabi.