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Wer wir wirklich sind

Am 31.12.11 ist meine Mutter gestorben. Sehr plötzlich, weil durch einen Sturz und einen Oberschenkelhalsbruch, der schnell operiert werden musste. Nach der OP, noch in der Narkose blieb ihr Herz stehen. Es war ein Schock, und doch war in mir sofort der Satz „es ist gut“. Es ist gut, denn es wäre für sie schrecklich gewesen, wochenlang im Gips liegen zu müssen, sich nicht bewegen zu können, Schmerzen zu haben, dann mühsam wieder laufen lernen zu müssen. Es wäre schrecklich gewesen, denn sie wollte doch ohnehin nicht mehr wirklich hier sein. Sie hatte im Grunde nur noch abgewartet, bis sie endlich nicht mehr aufwacht.

Ich war gerade auf diesem wunderschönen und sehr außergewöhnlichen Seminar von Gerd-Bodhi Ziegler auf der Tromm. Ich war eingebettet in Liebe und in tiefe Prozesse. Mein Partner und ich fuhren dann nach der Nachricht ins Lindenfelser Krankenhaus, wo meine Mutter in einem Bett lag, das Kinn hoch gebunden und still.

Ich setzte mich zu ihr ans Bett uns sah sie ganz deutlich atmen. Sie hatte es noch nicht begriffen. Sie wollte mir all das erzählen, was ihr an diesem Morgen passiert war, sie war noch ganz aufgeregt. Ich sagte ihr in der Stille: „Mamma, du bist gestorben. Du bist jetzt frei. Du kannst jetzt gehen wohin du möchtest. Du brauchst diesen Körper nicht mehr. Papa ist da und freut sich, dass du jetzt kommst.“ Und ich spürte meinen Vater anwesend und eine große Freude in ihr über das Wiedersehen. Ein Jauchzen und ein Tanzen.

Walther sagte: „Sie sieht so aristokratisch aus.“ Ja, so sah sie wirklich aus.

In den folgenden Tagen wechselten sich die Gefühle ständig ab, und ich fühlte sie alle durch. Große Trauer, immer wieder, dass ich sie nicht mehr in den Arm nehmen konnte. Erleichterung, weil jetzt vieles von mir abfallen darf. Und tausend Bilder aus der Kindheit stiegen auf. Gute Bilder, Bilder von Wärme, Fürsorge und Liebe. Aber vor allem kam mir ihr wahrer Charakter so nah, vor allem in der Nacht zum 7. Januar. So viel Stille, so weit….  In der Nacht habe ich kaum geschlafen, so tief war die Stille und so wach war alles in mir. Als ich mich ins Bett legte, umflog mich stundenlang ihr Duft. Es roch so gut, sie hatte immer gut gerochen, sie war immer sauber und hatte niemals einen schlechten Geruch oder Atem. Deshalb nahm ich sie so gerne in den Arm, und roch in den letzten Tagen an ihren Kleidern, um sie ganz zu spüren. An diesem Abend, als ich im Bett lag, roch es so sehr nach ihren Parfüms, wirklich köstlich. Und ich konnte ganz eintauchen in diese Qualität, die sie eigentlich war.

Was sie für mich ausmachte war ihre Güte, die ich vor allem als Kind so sehr erlebte. Es war auch das, dass sie für mich einstand. Sie glaubte mir, wenn ich sagte, der Lehrer habe mich zu Unrecht bestraft und ging mit mir zu ihm und sagte: „Wenn meine Tochter sagt, dass sie es nicht war, dann war sie es nicht. Diese Strafe war ungerecht.“ Und der Lehrer spürte ihre und meine Authentizität und entschuldigte sich bei mir. Das war großartig von ihr. Ihre eindringlichsten Botschaften waren alle aufbauend und positiv. Sie sagte einmal zu mir: „Du kannst alles erreichen was du möchtest, wenn du es wirklich willst.“ Dieser Satz hatte sich in mir eingebrannt, und er hat sich bewahrheitet. Sie hätte niemals einen Menschen blamiert, sie war immer voller Achtung. Sie gab immer aus vollem Herzen, sie brauchte nur wenig und verschenkte an ihre Freunde und Bekannte, was immer sie nicht mehr brauchte. Sie spendete ihr Leben lang, war lange Jahre beim ‚roten Kreuz‘, sie arbeitete gern mit behinderten Kindern und liebte sie sehr, und sie hatte eine Haltung von Freigiebigkeit, die man selten findet. Ihre Putzhilfen bekamen ständig Dinge geschenkt, die sie nicht mehr brauchte. Ihre Ratschläge waren immer sehr wertvoll und gut. Als ich einmal abtreiben wollte im Alter von 35 sagte sie: „Du würdest es dein Leben lang bereuen, das ist deine letzte Chance, ein Kind zu haben, und es wird schon irgendwie gehen.“ Und wenn ich heute meinen Sohn betrachte…. er ist so ein wertvoller, wunderbarer Mensch, dass ich den Gedanken kaum ertragen kann, es gäbe ihn nicht. Auch wenn die Jahre oft schwer, sehr schwer waren, ich bereue keine Sekunde.

Meine Mutter war tatsächlich ein aristokratischer Mensch. Obwohl aus einfachen Verhältnissen stammend, aus einer Metzgers-Familie, hatte sie einen adeligen Charakter. Sie war musikalisch und spielte herrlich schwungvolle Lieder, ohne eine Note dafür zu brauchen. Oft stand ich als Kind am Klavier und lauschte ihr fasziniert. Da war viel Freude in ihrer Seele, obwohl die Ehe meiner Eltern oft nicht einfach war, denn mein Vater hatte eine cholerische Seite, die nicht leicht zu nehmen war. Sie hielt meinem Vater die Treue und konnte, trotz vieler Missstimmungen, seine guten Eigenschaften schätzen. Und mein Vater hätte niemals ohne sie leben können.

Vorletzte Nacht nun war sie die ganze Nacht um mich und zeigte mir ihre Seele, wie sie wirklich war, und wie ich sie in den letzten Jahren nicht mehr hatte sehen können, weil unsere Beziehung und ihre Ansprüche an mich das Bild in mir verzerrt hatten. Diese gereinigte Schwingung war sehr, sehr hoch, frei von Körperlichkeit, frei von Meinungen oder Vorstellungen, da war einfach nur eine wunderbare Qualität von Adel. Wahrem Adel. Und das nach einem Tag, an dem ich vor Trauer keine Freude in mir finden konnte. Und es schien mir, als wollte sie sich mir zeigen, wie sie eigentlich ist, was sie eigentlich ist, WER sie eigentlich ist.

Mir wurde klar was ich schon wusste, doch nicht so tief und eindringlich, dass wir tatsächlich alle Seelen sind, die sich hier bekleiden, und von den Umständen und dem Materiellen entstellt werden. So spürte ich auch den anderen Seelen nach, die in meinem Leben waren und sind, auch meiner eigenen, um zu erfahren, welche Schwingung sie haben, wenn sie von all dem gereinigt sind, was hier bedrückt und bedrängt. Und welches Aha-Erlebnis…

Wir sind alle Engel, die sich mit großem Mut auf diesen Leidensweg hier begeben haben, sozusagen „gefallene Engel“, die ihr Licht oft selbst nicht sehen und verbergen hinter all dem was hier entsteht und entstanden ist durch all die Verletzungen, Emotionen und Gedanken. Doch wenn man sich darauf einstellt, kann man die wahre Qualität spüren. Eine Qualität, die göttlichen Ursprungs ist. Und all das ist gleichzeitig da. Das physische Leben mit all seinen Freuden und Leiden, die Seele in ihrer reinen und guten Qualität und die große, zarte Weite und Unendlichkeit, die all das ins Leben gerufen hat, das Göttliche. Sat, Chit, Ananda. Gutheit. Ein großes JA zum LEBEN.

Ich habe mich dann erinnert, dass das Weltbild von Daskalos genau das beschreibt. Ich war früher auf vielen Seminaren, die ein Schüler von ihm, Paul Skorpen, gab, und in denen ich dieses Wissen mit Verstand und Gefühl aufsog wie ein Schwamm.  Doch erst heute weiß ich, was es wirklich bedeutet. Denn jede Seele hat eine andere Schwingung, und eine ganz besondere Grundschwingung. Meine ist anders als die meines Bruders, meines Vaters oder meiner Mutter. So sehe ich bei meinem Bruder die große Akzeptanz, Hingabefähigkeit, Bescheidenheit und Stille, und die schönste Eigenschaft: Dankbarkeit. Die Hingabefähigkeit hatte auch mein Vater, der auch große Demut in sich trug. In mir sehe ich den Idealismus und die Liebe, die helfen möchte und sich zuwendet. Mein Partner hat die gleiche Schwingung, deshalb fühlen wir uns so Eins.

Laut Daskalos kommen alle Seelen aus „Monaden“.  Nun habe ich bei Wikipedia nach dem Begriff „Monade“ geschaut und bin fasziniert von den Gedanken von Leibniz. So empfinde ich es auch. http://de.wikipedia.org/wiki/Monade_%28Philosophie%29

Worin ich mir sicher bin, ist, dass alle Seelen gut sind, weil Gott gut ist. Könnten wir in allen Menschen immer ihr wahres und schönes Destillat sehen, würde das sogenannte „Böse“ mehr und mehr abfallen. Aber wie es nun mal ist: wir haben uns vergessen. Doch wir können uns erinnern. Das wünsche ich uns und allen Menschen zu diesem neuen Jahr, in Zeiten, in denen wir mehr und mehr die Chance haben, uns zu erinnern an unseren Ursprung, an unsere wahre Gutheit, an unsere göttlichen Eigenschaften.

Ich liebe dich

Ich liebe dich

Schneeflocke,

sanftes Gleiten

fallende Decke

 

Ich liebe dich

Plätschernde Schneeschmelze

Hoffnung auf Frühling

Vogelgezwitscher

 

Ich liebe dich

Früher Morgen

Ohne Forderung

Einfach nur sein

 

Ich liebe dich

Du weite Großzügigkeit

Die alles gestattet

Und nichts will

 

Nichts ist demütiger

Nichts duldsamer

Nichts gnädiger

Und nichts sanfter

 

Als diese Unendlichkeit

 

 

Ich bin das All

Bild

Ich bin das All.

Nichts kann mich bremsen

nichts kann mich halten

nichts kann mich spalten

nichts kann mich sehen

nichts mir geschehen.

 

Ohne mich

Kannst Du nicht sein

Ohne Dich

Bin ich all-ein.

 

In meinem Schweigen

tanzt du den Reigen.

Mit meinem Segen

kannst du bewegen

was immer du willst.

 

In meinen Weiten

lass ich dich schreiten

lass ich dich wühlen

in all den Gefühlen

bis du erkennst

dass du für mich brennst.

 

In Deiner Brust

bin ich das Beben.

In Deinem Herzen

bin ich das Leben.

 

Ich bin das All

In freiem Fall.

 

Diese Nachricht hat mich gerade wie ein Schlag getroffen. Ich wusste zwar, dass Frau Birkenbihl sehr krank war und in diesem Jahr längere Zeit im Krankenhaus und in der Reha zubringen musste, wusste aber nicht, das es so ernst war, dass es Krebs war.

Ich habe ein Buch von ihr gekauft, als mein Sohn noch klein war, das befasste sich mit Gedächtnistraining. Um es meinem Sohn irgendwie interessant zu halten, las ich es ihm häppchenweise vor. Sein Gedächtnis war wirklich miserabel, und dieses Buch änderte auch nichts daran. Auf mich hingegen hatte es große Wirkung. Ich habe unter Anderem damit einen Trick gelernt, wie ich mir komplizierte Worte merken kann, indem ich mit dem Klang gewisse Assoziationen und andere Begriffe verknüpfe… Die Wirkung hält immerhin einige Wochen an. Wenn das betreffende Wort – das mag eine Vokabel in einer Fremdsprache sein oder ein Fremdwort – dann nicht mehr abgefragt wird, verschwindet es wieder im Dunkeln…. Den Inhalt des Birkenbihl-Buches fand ich faszinierend in seiner logischen Herleitung und in seiner Wirkung. Ein bisschen machten wir uns allerdings damals lustig über ihren ‘Fimmel’, auf alles und jeden Gedankengang ein ‘Copyright’ zu erheben. Als wären Gedanken einmalig und man müsse sie schützen, oder als könne man sich etwas darauf einbilden, oder ein Recht auf irgend einen Gedanken haben, nur weil man ihn zuerst gedacht bzw. veröffentlicht hatte… Das scheint mir eine Krankheit in psychologischen Kreisen zu sein.

Jahre später sah ich mir Vorträge von  ihr auf Youtube  an, und war immer wieder zutiefst begeistert von ihrem geistreichen Witz, ihrem Charme und auch von ihrem Mut und ihrer Unbekümmertheit ob ihres Aussehens. Und ich fand starke Bezüge zu spirituellen Inhalten in ihren Ausführungen. Was ich in ihr sah, war etwas was man ‘liebevolle Güte’“ nennen könnte, und sie besaß eine dermaßen offene Freundlichkeit, dass ihr sehr schnell die Herzen zu flogen. Eine beeindruckende Frau.

Es macht mich traurig, dass sie schon von uns gegangen ist. Sie muss etwa 65 Jahre alt geworden sein.

http://birkenbihl.de/

Immer weiter…

Eine meiner frühesten Erinnerungen ist die, im Kinderwagen zu sitzen (ein „Sportwagen“, der Vorläufer des „Buggie“) und einfach nur….  zu sein…. da zu sein… zu sehen, wahr zu nehmen, völlig eins mit mir und der Welt, ohne Gedanken – Glück zu sein, Glückseligkeit, zufrieden damit hier zu sein….

Und dann irgendwann wurden die Zeiten dunkler, das Leben schwerer. Forderungen von den Eltern verdunkelten das Glück – sich plötzlich nicht mehr geliebt wissen, sich unwert oder befleckt fühlen, sich verlassen, unverstanden, abgelehnt fühlen. Das Leben rollte sich ab mit allen Höhen und vor allem Tiefen, und die Glückseligkeit des Seins geriet in Vergessenheit.

Erst vor einigen Jahren kam sie plötzlich zurück und überflutete mich und löschte mich aus. Das Ausgelöschtsein war die Lücke, die sie brauchte, damit sie wieder einfließen konnte. Das was man „Erwachen“ nennt, und was meist komplett falsch verstanden und interpretiert wird, ist nicht spektakulär, sondern eine stille, zutiefst innerliche, sanfte, natürliche und schöne Rückkehr in die frühesten Gefühle der Kindheit. Sat/Chit/Ananda sind die Ur-Eigenschaften des Menschen, die jeder kennt. In stillen Stunden, Minuten, Sekunden, am Morgen im Bett, wenn keine Sorge drückt und noch kein Gedanke aufgestiegen ist, am Meer im Urlaub, wenn am ersten Urlaubstag alles abfällt an Pflichten und Müssen und Sollen… Jeder kennt solche Momente, in denen alles in Ordnung ist und weit und frei.

Und doch…. Erwachen – schön und gut. Das Ich ist abgefallen, bzw. der Glaube daran, ein Ich zu sein, und doch… die alten Muster arbeiten weiter. Die vielen, vielen Muster, die sich  geprägt haben in all den Jahren der Verletzungen durch die Eltern, die es zwar meist gut gemeint haben, aber ihren eigenen meist leidhaften  und repressiven Mustern folgten. Denn genau das ist Karma. Man gibt es weiter, das was man nicht verstanden hat, nicht auflösen konnte, das was uns schließlich mehr lenkt, als dass wir es lenken können – zum Teil uralte Geschichten, uralte Schmerzen, manche so alt, dass sie wir sie schon als Reptilien kannten, damals, vor Urzeiten. Und doch lebt all das JETZT, in diesem Augenblick – in uns und in jedem vom uns.

Erwachen ändert daran nichts.

Advaita ist eine Lehre, die Halt macht an einem gewissen Punkt, und den Menschen dann dort stehen lässt. „Du musst nichts tun“… „Es gibt nichts zu suchen“… Ja! So ist es. Das Tun, das Suchen verhindert, dass du dir des glückseligen Seins in dir bewusst werden kannst. Und es ist wunderbar, es wieder zu entdecken, sich darin wieder erlöst zu finden und zu begreifen, dass wir niemals davon getrennt waren. Herrlich, unvergleichlich, wohltuend und das Beste was mir je passiert ist.

Und dennoch toben Kriege weiter, bringen sich Menschen um, regieren Hass und Gewalt und vor allem die Gier. Und noch immer leben in mir alle Ideale der Kindheit. Wer möchte es nicht, dass die Menschen in Frieden miteinander leben? In Liebe, in Gleichheit, Brüderlichkeit, mit Respekt und Würde, wohlwollend und dankbar. Hänge ich diesen Idealen nach, steigt Sehnsucht auf und das Wissen darum, dass es möglich wäre. Möglich IST. Hier und Jetzt.

Ich kann nur bei mir anfangen. Ich kann nicht die Welt retten, kann niemanden ändern, kann im Außen wenig tun. Ich trenne Müll, ich spare Energie, ich versuche mich bewusst und gesund zu ernähren, nachhaltig, respektvoll, liebevoll zu sein mit allem was mich berührt und in mein Leben tritt. Das kann ich tun, immer wieder, in jedem Moment neu.

Und dennoch toben Kriege weiter, bringen sich Menschen um, und wenn ich in meinem Leben nach schaue, dann gibt es auch hier Kleinkriege und Verletztheiten – sie sind zwar relativ selten geworden, wenn ich mit meinem früheren Leben vergleiche, aber es gibt sie noch. Dann greifen die alten Gefühle von Wut, Ärger und Groll nach meinem Bauch, fordern Vergeltung, fordern Genugtuung, behaupten im Recht zu sein und der Andere im Unrecht. Es entstehen Gedankenketten, Gefühlswallungen, Hitze, und regelrecht Bauchschmerzen. Es ist wie ein Ziehen, wie wenn jemand alle Energie aus dem Bauch zieht, es hat einen Geschmack von Angst und Schmerz, es ist schwer zu beschreiben.

Wenn ich mich in einem solchen Zustand befinde, dann weiß ich: es läuft gerade etwas vollkommen schief. Das bin ich nicht. Da hält mein Körper und Geist her für etwas, was ich nicht bin, da wird er benutzt, da ist er Zombie, Marionette, gespielt von Kräften, die andocken und sich breit machen. Und alle Gedanken aus der Geschichte, die das ausgelöst haben, fördern diese Gefühle und machen sie größer, stärker, und zwar immer dann, wenn ich sie nähre und für wahr halte – wenn ich ihnen glaube.

Erwacht oder nicht, wir alle geraten in solche Zustände, in denen wir „außer uns“ sind. Und Advaita beschäftigt sich nicht mit solcherlei. Advaita-Lehrer sprechen von Erwachen als sei es die ultimative Lösung für alle Probleme, das Ende allen Leidens und als das gelobte Land. Auf gewisse Weise stimmt das, doch auf andere Weise auch wiederum nicht.

Ich habe erlebt, dass die schlimmsten Verhaftungen an Vorstellungen sich komplett aufgelöst haben, insbesondere die Vorstellungen aus den letzten 40-50 Jahren meines Lebens. Ich werde 58. Doch was da noch grummelt und bei seltenen Gelegenheiten wieder hervor sprudelt, sind ganz irrationale Verletztheiten oder Empfindlichkeiten. Zum Beispiel mit meinem Partner, wenn ich mich übergangen fühle, manipuliert fühle oder es sich nach Machtkampf anfühlt. Dann kann es sein, dass ein Schmerz hoch schießt und ich in Vorwürfe ausbreche: Du machst immer…. Du tust… Du unterdrückst… Du.. Du… Du…. Plötzlich spaltet sich die Welt wieder auf in Ich und Du, wo sie vorher eins war und ungetrennt. Die Gedanken sprechen, ausgelöst von dem hochschießenden Gefühl, von einem Du, von einem Ich und suggerieren einen Kampf und ein Problem.

In einem solchen Zustand gibt es zwei Möglichkeiten: sich hinein steigern, jeden Gedanken glauben, kämpfen, Vorwürfe machen und es ausleben, ohne zu hinterfragen. Die weiter aufsteigenden Gefühle zeigen eigentlich, dass dies die falsche Richtung ist. Denn der Bauch zieht und zerrt, man mag nichts essen, man fühlt sich so richtig beschissen, wie wenn einem das Blut ausgesaugt würde und ist diesem Gefühl hilflos ausgeliefert – und natürlich will man es weg haben. Doch je mehr man das will, umso weniger geht es. Und die Geschichte kocht hoch und höher im Verstand und im Bauch, ich habe doch Recht, der Andere ist im Unrecht, ich bin richtig, er ist falsch… Es ist Krieg. In mir und mit ihm.

Die zweite Möglichkeit ist: Innehalten. Spüren, lauschen, sich fragen, was geht da vor. Bin ICH das? Gibt es wirklich immer einen Täter und ein Opfer? Bin ich wirklich immer das Opfer? Ist der Andere wirklich so ungerecht, so gemein? Sollte er mich wirklich besser verstehen? Mir wohl tun? Das tun und geben, was ich brauche? Sich anders verhalten, anders zu mir sein? Oder bin ich nicht ganz allein und selbst zuständig für mein Glück und für mein Leben?

Die Gefühle im Bauch sind gute Hinweise, Zeiger, Zeigefinger. Ich lasse mich darauf ein. Ich fühle sie – ganz! Und ich höre nicht mehr auf die Gedanken, sonder spüre nur noch. Was ist dieses Gefühl wirklich? Was ist dahinter? Was, was??? Ich spüre und spüre und es kommt eine Welle von Angst hoch, dann Schmerz. Schmerz, Schmerz, Tränen steigen auf, es sprudeln plötzlich ganz andere Emotionen, es wird weich und sehr, sehr schmerzhaft. Und ich spüre den Schmerz und bin bereit ihn zu spüren, auch wenn er ewig dauern sollte. Ich bin Schmerz, dieser Schmerz ist ich. Und dann taucht die Frage auf: woran erinnert mich dieser Schmerz?  Wann habe ich diesen Schmerz zum ersten Mal in meinem Leben gespürt? Und ich lausche in den Schmerz, bin ganz dabei – und manchmal hat er eine Botschaft.

Es tauchen Bilder auf. Ich sehe mich mit 3-4 Jahren, wie mein Vater mir droht, mich anschreit und mich am Arm zerrt, mich auf seine Knie zwingt und mich schlägt – dabei brüllt: ich schlag dich windelweich… und ich kann nicht weg, ich muss es aushalten, ich schreie und weine, und er schlägt zu und hört nicht auf und brüllt: wenn du nicht aufhörst zu heulen, schlag ich dich windelweich… Dieses Wort „windelweich“ klingt so… drohend…. und er hört nicht auf, und ich verbeiße mir das Schreien, obwohl ich nichts lieber möchte als schreien… Ich fühle mich hilflos, ausgeliefert, wehrlos dieser Gewalt ausgesetzt. Da tut jemand etwas mit mir, mit meinem Körper, er fragt mich nicht, er tut es mir: an.

Uralte Schmerzen leben noch in mir, jung und frisch und wohl verborgen über Jahrzehnte. Meine Rettung war immer, dass ich mir damals in solchen Momenten sagte: er ist ein wirklich, wirklich armer Kerl. Es ist die reine Ohnmacht, mich zu schlagen. Er ist ein Schlappschwanz. Ich stehe darüber, über ihm und über all dem Pfuhl, in dem er steckt, der in ihm steckt, dieser Pfuhl von Emotionen und Handlungen. So rettete ich mich aus dieser unerträglichen Situation in eine Haltung von Stolz und Überlegenheit. Es half mir, die tiefe Verletzung, den Schmerz nicht mehr fühlen zu müssen.

Und wann immer mir heute diese Gedanken auftauchen: was für ein armer Kerl, armselig und unter Niveau…. dann weiß ich, woher sie kommen. Das war meine Schmerzvermeidungstaktik.

Ich bin heute dankbar für jede Gelegenheit, in der alte Geschichten wieder ins Bewusstsein drängen können, alte Schmerzen sich zeigen und mir zeigen, wie sehr ich sie immer verdrängt und zurück gejagt habe ins Unbewusste. Auch wenn es weh tut, auch wenn es unangenehm ist, so möchte ich doch immer wieder eintauchen in all das, auch wenn es ewig dauern sollte – so lange, bis es sich nicht mehr meldet.

Nach einem solchen Eintauchen und Bewusstwerden breitet sich immer großer Frieden aus und ein Gefühl von Dankbarkeit. Ich bin dem Leben dankbar für die Möglichkeit, im Jetzt durch Wachheit und Mut den Geschichten der Vergangenheit ins Auge blicken zu dürfen.

Traumatische Erfahrungen wirken sich über jedes Erwachen hinaus aus. Auch wenn wir vielleicht glauben, wir wären jenseits von all dem Pfuhl und hätten damit nichts mehr zu tun, weil sich die Identifikation mit dem Ich aufgelöst hat.

Wann immer Wut, Verletztheit, Angst, Konflikt und Probleme auftauchen, rollen sich alte Geschichten wieder neu ab. Es ist so einfach (der breite Weg in die Hölle), die Wut und Verletztheiten nach Außen zu kehren und Andere anzuklagen als scheinbare Auslöser und Ursachen. Doch die Ursache liegt trotz mancher Provokation aus dem scheinbaren Außen letztlich in uns selbst.

Die Welt ist voll davon, von ewigen, endlosen Wiederholungen von Verletzungen und Schmerzen. Aus Äonen wirken sie weiter ins Heute und prägen die Menschheit und ihre Konflikte. Und jeder Konflikt, der mir geschieht, ist eine Einladung, mich dem ganz zu widmen und es aufzuspüren.

Ich kann nur bei mir anfangen.

In meinem Leben war Advaita in den letzten 3 Wochen meiner Suche von Bedeutung. Mit der Frage „wer bin ich wirklich“ (Nisargadatta sei heißer Dank, wie auch Hermann Lehner) kam endlich die Erkenntnis, dass ich nicht das bin, was ich glaubte zu sein… Es ist ein Meilenstein, wenn sich dies eröffnet. Aber es ist nicht das Ende des Lebens und schon gar nicht das Ende der Entwicklung. Und diese Entwicklung endet nie.

Ist es nicht der Dalai Lama der sagt, er sei ein ewiger Schüler? Es gibt keinen Grund für eine wie auch immer geartete spirituelle Arroganz.


Was ist Erwachen?

In der Oktober-Ausgabe der ConnectionSpirit, die seit heute im Zeitschriften- und Buchhandel zu erhalten ist, gibt es einen Artikel von mir – er bildet den Auftakt zu einer Serie von Erwachens-Geschichten, die in unregelmäßigen Abständen erscheinen werden.

Es geht um Menschen wie Du und Ich, unbekannte Menschen, Menschen, die urplötzlich einen „Shift“ erlebt haben, der ihr Weltbild und ihre Selbstwahrnehmung nachhaltig veränderte.

Diesmal geht es um eine Frau, die ihre krebskranke Schwester in ihren letzten Wochen begleitete und „mitgenommen“ wurde. Eine Erfahrung, die sie nachhaltig veränderte.

Mich selbst hat die Geschichte beim Hören und Schreiben und auch jetzt noch beim Lesen immer wieder zutiefst berührt.

Hier der Link zur Oktober-Ausgabe der Connection: http://www.connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-1011.html

Frei nach Manfred Kyber

Es geschah auf einem Seminar, irgendwo im Bergischen Land, in schönem Ambiente, in einem ehemaligen Kloster, zwischen rauschenden Bäumen und ruhiger, atmender Besinnlichkeit. Ich will hier nur vom Wesentlichen erzählen, das weder an einem Ort, noch in einer Zeit gefunden werden kann, das sich überall und jederzeit ereignen kann, und von dem ich – rein zufälligerweise – hier Zeuge werden durfte. Deshalb ist es gar nicht wichtig, was genau das Thema des Seminars war. Wichtig ist, dass es sich um Deutsche und Französische Menschen handelte, die alle auf der Suche nach ihrem eigenen Innern waren, nach dem göttlichen Kern und nach Sinn und Erfüllung. In dieser Suche hatten sie sich für sechs Tage einem Mann anvertraut, der in diesem Seminar ihr Leiter war. Was ihn auszeichnete war nicht nur sein Alter und seine große Weisheit, sondern, dass er die seltene Fähigkeit besaß, sich selbst in absoluter Bescheidenheit zurück zu nehmen und als Kanal zu dienen für die jenseitige, unsichtbare Wirklichkeit, die uns, genau wie die sichtbare Realität, umgibt und ständig zu uns spricht, – wenn wir sie denn hören. Nur wenige Menschen hören sie, doch die es tun, wissen um ihre Aufgabe, sie den Menschen zugänglich zu machen. Der Meister tat dies ganz einfach in seiner Eigenschaft als Mensch, der sich selbst nicht wichtig nahm, der gänzlich bescheiden auftrat und oft Worte voller Kraft und geheimer Wirkung fand. Er gab sich ganz in den Dienst dessen, den einzelnen Menschen einen Weg zu weisen, der aus ihrer Angst und Beklemmung heraus zu Hoffnung und Liebe führen sollte.

In der ewig abrollenden „Kette der Dinge“ ist vieles, sehr vieles in Unordnung geraten, und unsere Welt geht derzeit nicht den Weg, den sie gehen könnte, wäre die Kette der Dinge in Ordnung. Doch sie ist in Unordnung. Zu viele Schrecklichkeiten sind geschehen und geschehen noch. Der Weg des Menschen ist mit Blut besudelt. Und es ist so, dass in der Kette der Dinge die einzelnen Glieder durch das menschliche Fehlverhalten von Jahrhunderten und Jahrtausenden ganz aus dem Gleichgewicht, aus der Form geraten sind. Dabei könnte jeder von uns dazu beitragen, auch wenn er noch so klein und unwichtig zu sein scheint, dass die Kette der Dinge allmählich wieder in Ordnung kommt. Denn es gibt ein Geschehen, das nur im Inneren zählt und nicht im Äußeren. Das sind Geschehnisse, die nicht viel her machen und doch im tiefsten Wesen des Menschen eine Umwälzung und fast eine Revolution bedeuten. Und es sind dies Vorgänge, die nicht nur auf den betreffenden Menschen begrenzt bleiben, sondern sich auswirken, sich fortsetzen, und in der geistigen Welt Jubel auslösen und große Freude. Etwas derartiges geschah auf diesem Seminar.

Es saßen sich also Deutsche und Franzosen gegenüber und lauschten den Worten ihres Meisters, der selbst elsässischer Abstammung war und in freier Rede und dennoch druckreif jeweils einige Worte in Französisch sprach, um sie dann sogleich selbst ins Deutsche zu übersetzen. Sie alle folgten im Verlauf der Tage den gleichen Gedanken, den Gedanken des Meisters, und verstanden seine Worte, doch es wollte sich einfach kein Gemeinschaftsgefühl einstellen. Zu wenige Deutsche sprachen Französisch und noch weniger Franzosen sprachen Deutsch, so dass man in den Pausen doch wieder in seinen gewohnten, gleichsprachigen und vertrauten Grüppchen zusammen stand. Eine gewisse Befangenheit war da. Man lächelte wohl hie und da zwischen einzelnen Personen hin und her, und ein oder zwei Deutsche standen beharrlich bei den Franzosen und parlierten brilliant in dieser schönen Sprache – man kannte sich wohl schon von anderen Seminaren -, doch der überwältigende Rest machte keine Anstalten und zog die eigenen Leute vor.

An einem Tag, es mag der dritte oder vierte Tag des Seminars gewesen sein, erklärte der Leiter ein wichtiges Symbol: das Lebensrad, das man als Swastika und als Sauwastika kennt. Das ist das Sonnenrad, das von Hitler als Symbol des Nationalsozialismus, als Hakenkreuz missbraucht wurde, und das, mit den Augen der heutigen Zeit betrachtet, zunächst für all die schrecklichen Taten dieser Zeit steht. Doch, mit den Augen der alten Zeit betrachtet, hat es einen ganz anderen Gehalt, einen viel tieferen und wesentlicheren. Es ist ein uraltes Symbol und kommt vermutlich aus Ägypten, doch vielleicht ist es auch noch älter und stammt aus Atlantis. Es enthält viel von dem alten Wissen der Menschen. Der Meister erzählte, dass man es überall auf der Erde als Symbol des Lebens kennt, Symbol der Sonne und des Glücks. Und er forderte die Teilnehmer dazu auf, es in seinem wahren, alten Gehalt zu sehen und seiner eigentlichen Bedeutung inne zu werden. Im Anschluss an diesen Vortrag konnte man Fragen stellen.

Neben dem Meister stand ein Stuhl, auf den sich der Fragende setzen konnte, denn der Meister war schwerhörig, und man musste seine Frage gehörig laut und deutlich äußern, damit er sie auch gut verstand. Und nun begann das Außergewöhnliche abzurollen. Ein Mann trat vor, sein Name war Jean-Marie. Er war klein von Gestalt, schmal, fast dünn, hager, mit schmalen Lippen und einer dicken, milchigen Brille vor den Augen. Er ging leicht gebückt. Sein Gesichtsausdruck war sehr ernst, fast verbittert. Er setzte sich auf den Stuhl. Der Meister neigte sich mit einer liebevollen Bewegung der Zuwendung und Sympathie – wie er sie unterschiedslos jedem Menschen entgegen brachte – nach vorne, sein linkes Ohr nah an den Lippen des Anderen, und hörte zu. Der Fragesteller war einer der wenigen Franzosen, der Deutsch sprach: „Meister“, sagte Jean-Marie, „ich kann das Symbol der Swastika nicht als Symbol des Glückes akzeptieren!“ Sagte er mit Nachdruck. „Hitler und die Nazis haben zu schreckliche Dinge in seinem Namen getan.“ Er schwieg eine Weile, um Mut zu fassen und sagte dann mit gepresster und vor Erregung enger Stimme: „Ich selbst wurde von den Nazis im KZ gefangen gehalten und beim Verhör geblendet, so dass ich heute nahezu blind bin. Ich hasse dieses Symbol und kann es einfach nicht als Glückssymbol betrachten!“

Ein Erscherecken fuhr in die Teilnehmer, – Französische wie Deutsche. Erst nach einigen Sekunden sickerte ihnen ins Bewusstsein, was dieser Mann dort vorne gesagt hatte. Das Wort „Nazis“ stand im Raum wie ein mit riesigen Lettern leuchtend beschriebenes Transparent. Erstaunt, mit Bangen, Mitgefühl und Angst erwartet man, was weiter kommen würde. Jeder wurde sich gewahr, dass Jean-Marie einen Konflikt, eine Problematik angesprochen hatte, die Deutsche wie Franzosen bis ins Mark betraf. Jeder Deutsche spürte plötzlich den Stachel der Schuld in sich. – War er nicht auch ein Mittäter? War er nicht auch Deutscher? Angehöriger des Volkes der Nazis? Zumindest aber doch ein Nachkomme derer, die solche und schlimmere Greueltaten verübt hatten… Und ein jeder Franzose fühlte sich kollektiv betroffen als Opfer und als ehemaliger Feind der Deutschen, die doch immerhin einen Anführer gewählt und ihm gefolgt waren, der die unaussprechlichen Leiden zahlloser Menschen, und auch ihres Landsmannes Jean-Marie, verursacht hatte.

Ein tiefer, unüberbrückbar scheinender Spalt zwischen Franzosen und Deutschen wurde ihnen allen gewahr. Dieser Spalt war zuvor schon da gewesen und hatte sich jetzt vertieft zu einem Abgrund aus unbewältigter Vergangenheit, unausgesprochenen Vorwürfen, Grollen und Nichtverstehen. Vielleicht war er ja die Ursache für die Distanz und Isolierung, die das ganze Seminar bis zu diesem Zeitpunkt überschattet hatten. Eine große Spannung lag jetzt in der Luft, und ein jeder sah beklommen von Jean-Marie zum Meister und wieder zurück, beladen mit all diesen Gedanken, in banger Erwartung der Antwort des Meisters.

Der hatte mit großer Aufmerksamkeit zugehört und hatte sehr wohl jedes Wort verstanden. Er nickte kurz, entspannte sich und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Eine lange, konzentrierte Pause entstand, in der jeder seinen Gedanken nach hing und froh war, dass er auf diese Frage keine Antwort finden musste. Der Meister hatte den Kopf leicht zur Seite geneigt und lauschte nach Innen. Und dann perlten seine Worte, mit Bedacht gewählt und mit vielen Pausen versehen, wie Tautropfen in die Ohren des halbblinden Jean-Marie und aller Anwesenden.

„Du wirst diesen Hass nicht los werden, – der ja nicht nur das Symbol der Swastika, sondern auch die Menschen betrifft…“, sagte er – sehr leise und sehr nachdenklich, „…wenn du die schrecklichen Erinnerungen immer wieder in dir nährst. Es gibt vielleicht auch noch einen anderen Weg, wie du damit umgehen könntest….“ Der Meister schwieg wieder und lauschte nach Innen. Dann sagte er: „Frage dich, frage dein Innerstes, frage dein Herz – ob nicht der Weg des Verzeihens der bessere sein könnte.“ Wieder entstand eine lange Pause, und dann: „Im Verzeihen, im Annehmen des Unannehmbaren – auch des Schrecklichsten – offenbart sich die wahre Größe des Menschen.“

Dieses Wort „Verzeihen“ hatte einen ganz eigentümlichen Klang aus des Meisters Mund. Er sagte es ganz leise und in einem ganz besonderen Tonfall, der in Worten nicht zu beschreiben ist. Es schwang dort eine leise Bitte mit, eine Hoffnung und ein Sehnen, ein Drängen nach Menschlichkeit und Liebe, nach Loslassen und Hingabe. Es schwang darin mit, dass der Mensch zu jeder Größe fähig war, auch dazu, sich selbst zu vergessen – in Ausrichtung auf etwas Höheres -, in Ausrichtung auf die Liebe….

Der Kern der Worte traf jeden Einzelnen ins Mark. Und so wenige Worte es gewesen waren, so groß war doch ihre Wirkung. Jean-Marie hatte jedes Wort verstanden und schwieg – den Blick vor sich auf den Fußboden geheftet. Er hatte die Hände im Schoß gefaltet und kämpfte mit sich. Lange saß er so da – unbewegt. Und schließlich nickte er kaum merklich. Er hatte verstanden.

Ein jeder kämpfte mit sich, doch nun nicht mehr mit der Distanz und der Kluft zwischen Deutschen und Franzosen… Jeder kämpfte mit seinen Gefühlen, mit den Gefühlen der inneren Bewegung, der Anteilnahme und vor allem der Ergriffenheit. Jeder einzelne war zutiefst ergriffen von dieser Wendung und dieser Botschaft, die ja nicht nur auf Jean-Marie zutraf, sondern universell für jeden Menschen galt. Jeder ahnte, wie schwer es Jean-Marie fallen musste, seine Wut in Menschenliebe zu wandeln. Konnte man das überhaupt verlangen? Von einem Menschen der solches erlebt hatte?

Ein tiefes Schweigen war entstanden. Der Moment schien still zu stehen. Es gab nichts mehr zu sagen. Das Wesentliche war gesagt. Beschämt waren die Menschen, und die Gefühle wallten hoch. Hie und da blitzten Taschentücher auf, und die eine oder andere Nase schniefte. Und ein jeder, der dessen gewahr wurde, dass jemand sich die Tränen abwischen musste, kämpfte sogleich ebenfalls mit den Tränen. Scheu und heimlich sahen sich die Menschen an, und jeder sah im Anderen das gleiche Herz und die gleiche Verletzlichkeit und die gleiche Fähigkeit zur Liebe und zur Vergebung. Ein jeder wusste plötzlich, dass Greueltaten nie enden würden, wenn nicht endlich wenigstens Einer im Abrollen der Kette der Dinge verzieh…. Dies war, so begriff jeder für sich, eine universelle Wahrheit, die auf alles Geschehen in der Welt zutraf.

Noch lange saß man so beisammen, ohne zu sprechen. Eine Gruppe von Menschen – im Schweigen verbunden. Unsagbar ist die Schwingung, die entsteht, wenn Liebe die Menschen eint. Man ging erst nach einer Stille-Meditation auseinander, jeder für sich, schweigend und nachdenklich. Und ein Jeder spürte, dass etwas Großartiges, etwas sehr Wesentliches geschehen war, etwas, für das es keine Worte gibt und kein Bild.

An den restlichen Tagen des Seminars war die Stimmung völlig entspannt, und in den Pausen standen Franzosen und Deutsche kreuz und quer zusammen und unterhielten sich mit Händen und Füßen. Und diejenigen, die die fremde Sprache konnten, mussten sich anstrengen, um möglichst viel zu übersetzen. Jean-Marie – der Halbblinde suchte von da an den Kontakt zu den Deutschen. Er war wie gewandelt, und man sah ihn zum ersten Male lachen, wie überhaupt plötzlich das Lachen zwischen den Menschen dominierte. Zum Abschluss, am letzten Tag, hielt Jean-Marie eine kleine Rede und erzählte, wie sehr ihn die letzten Tage verändert hätten, und dass er dem Meister und ihnen allen unendlich dankbar sei, dass dies möglich geworden war. Und es heißt, ihn verbinde noch heute eine tiefe Freundschaft zu vielen Deutschen, die er in diesem Seminar kennen gelernt hat.

Nach einer wahren Begebenheit irgendwo auf einem Seminar mit Frédéric Lionel – es mag irgendwann zwischen 1995 und 2000 gewesen sein. Er verließ den Körper kurz vor der Jahrtausendwende. Morgen wäre sein 103.ter Geburtstag – in tiefer Verbundenheit…

Du machtest mich endlos- so ist dein Belieben. Dies schwache Gefäß leertest du wieder und wieder und fülltest es immer mit neuem Leben. Du trugst diese kleine Rohrflöte über Hügel und Täler und hauchtest durch sie ewig neue Melodien. Bei dem unsterblichen Druck deiner Hände verliert mein kleines Herz seine Grenze in Freude und gebiert unaussprechliche Worte. Deine unendlichen Gaben empfange ich nur auf diesen meinen sehr kleinen Händen. Zeitalter vergehn und immer gießest du aus, und immer ist Raum, um erfüllt zu werden.

WENN DU mir befiehlst zu singen, scheint mir das Herz vor
Stolz brechen zu wollen; ich schau in dein Antlitz, und
Tränen kommen mir in das Auge. All das, was hart und
mißtönig ist mir im Leben, zerschmilzt in eine süße
Harmonie — und meine Anbetung breitet die Schwingen
gleich einem frohen Vogel im Fluge über die See.

Rabindranath Tagore

Sonnenhaft….

Sonnenfleck

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?

Johann Wolfgang von Goethe

Das innere Kind

Mein Vater zog mit 17 Jahren in die Endphase des 2. Weltkrieges. Natürlich voller Idealismus und für Volk und Vaterland. Er war in Russland – man stelle sich vor: 17!!! Mein Sohn ist 21 und gerade dabei, erwachsen zu werden.

Ich weiß nicht was er dort in Russland erlebte – er sprach nie ein Wort davon, auch nicht auf Nachfrage. Es gibt Fotos, auf denen er noch sehr kindlich und positiv aussieht, die kurz zuvor gemacht wurden, und dann gibt es Fotos, die aus dem ersten Front-Urlaub stammen. Auf ihnen sieht er so aus, wie ich ihn erlebte und all die Jahre wahr nahm: hager, ernst, die Wangen eingefallen… So steht er da auf dem Bild, das Gewehr neben sich aufgestützt, in Uniform. Und mit todernsten Augen. Irgendwie zutiefst verstört.

Mein Vater sang nie. Er lachte fast nie, und wenn, dann aus Schadenfreude. Er konnte einen Maulwurf gnadenlos mit dem Spaten erschlagen. Er liebte es (angeblich), Fliegen genüsslich zwischen den Fingern zu zerdrücken. Er hatte etwas Sadistisches, doch es erschien mir immer gespielt, irgendwie gezwungen, nicht wirklich zu seinem Wesen gehörend.

Er liebte uns, als wir noch Babies waren, hilflose Wesen und noch sprachlos. Sobald wir sprechen und laufen lernten, gingen wir ihm nur noch auf den Wecker. Wir waren zu laut, zu unruhig, zu, zu… zu sehr Kinder eben. Meine Mutter erzählt, dass er sehr zärtlich war, dass er uns als Kleinkinder wickelte und herzte. Und ich erinnere mich daran, wie er mich einmal hoch hob und auf seine Schultern setzte… wie auf dem Hochhaus fühlte ich mich da. Und ich weiß noch, dass ich damals noch voller Vertrauen und Zutrauen war. Ich muss so 1 Jahr alt gewesen sein.

Nunja, das mit der liebevollen Zugewandtheit und Zärtlichkeit erinnere ich kaum mehr, denn der Körperkontakt hörte sehr bald völlig auf. Ermahnungen und Schimpfen auf Schritt und Tritt ersetzten sie. Unser Vater war streng. Er hatte nahezu immer schlechte Laune, schaute grimmig, brüllte ohrenbetäubend und bei vielen Gelegenheiten, er war cholerisch und dann in der Wortwahl verletzend und hart, und natürlich schlug er uns auch. Mehr als ein Mal. Ich will nicht in die Einzelheiten gehen, sexuellen Missbrauch gab es keinen, dafür bin ich dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich.

Mir ist noch sehr unangenehm in Erinnerung, dass er mich über’s Knie legte, auf den Hintern haute, und als ich schrie und weinte, brüllte er: „Wenn du nicht aufhörst zu heulen, schlag ich dich windelweich!“

Ich bin derzeit 57 Jahre alt. Ich hatte viele Partnerschaften und Beziehungen, war ein unkonventionelle Nachfolgerin der 68-iger Generation und hatte auch die entsprechenden Ideale. Und vor allem wollte ich eben eins: niemals so werden wie meine Eltern! In den frühen Jahren meiner Zwanziger habe ich freie, offene Beziehungen ausprobiert und dann so Mitte Zwanzig als zu schmerzhaft verworfen. Dann kamen lange Beziehungen, denn es gab da das Ideal vom Traum-Mann in mir, der meine Bedürfnisse und meine hungrige Seele stillen würde, mich verstehen sollte und zu mir halten.

Ich hatte wirklich liebe Partner, die es gut meinten und sich alle Mühe gaben. Die Beziehungen dauerten zwischen 2 und 6 Jahren. Sie scheiterten aus unterschiedlichen Gründen, doch es zog sich durch alle hindurch, dass ich nicht wirklich Nähe ertrug. Ich suchte mir prinzipiell distanzierte Männer, die arrogant wirkten und die ich erst einmal „knacken“ musste. Hatte ich den Erwählten „geknackt“, also weich gekriegt, mich zu lieben, mich zu wollen und mit mir eine Beziehung einzugehen, so wurde es spätestens nach 2 Jahren unerträglich langweilig und eng. Meistens war ich diejenige, die sich trennte, und das schmerzte nicht nur den jeweiligen Mann ungemein, sondern genauso mich selbst.

Ich war entweder unglücklich und auf der Suche (wenn ich keinen Freund hatte) oder gelangweilt oder genervt (wenn ich einen hatte). In meiner Wahrnehmung war natürlich immer der Partner „schuld“, er war nicht richtig, nicht passend, machte dies, das, jenes falsch, verstand mich nicht, behandelte mich nicht richtig – was auch immer.

Nun stehe ich heute, 5 Jahre nach einem tiefen Wandlungsprozess, wieder in einer Partnerschaft – es sind wohl inzwischen 3 Jahre, die wir zusammen sind. Diesen Mann habe ich nicht gesucht, denn ich war bereits zutiefst erfüllt, als wir uns sozusagen „zuflogen“. Wir ließen uns auch viel Zeit, einander näher zu kommen. Wir waren nicht so sinnlos verliebt, wie ich das zumindest von mir aus früheren Jahren kannte. Aber es war viel Anziehung da und große Sympathie und ein tiefes Einverstandensein. Wir waren beide voller Freude, endlich die Gelegenheit zu  bekommen, das Thema „Beziehungen“ bewusst und wahr zu leben, in Ehrlichkeit und dem Bemühen, einander zugewandt zu bleiben und uns gleichzeitig nicht zu verbiegen.

Wir wohnen im gleichen Haus, also recht nah, und sehen uns täglich. Es ist ein Mann zum Tiefschürfen, ein weichherziger, ein tief blickender, ein psychologisch geschulter, aber natürlich auch ein männlicher Mann, mit einem eigenen Kopf, mit Eigenheiten, Vorlieben, Meinungen. Und natürlich geraten wir manchmal aneinander.

Erst jetzt erlebe ich, wie es ist, eine (möglichst) wache Partnerschaft zu leben: Es ist weißgott nicht immer einfach, nicht immer schön! Es braucht Mut sich zu zeigen, es braucht auch Mut, sich selbst anzuschauen. Und ich erlebe es erst seit einigen Monaten und gerade jetzt aktuell BEWUSST, dass all der Schmerz, den mein Vater gepflanzt hat, noch in mir lebt und jederzeit aktivierbar ist. Er ist im Emotionalkörper eingegraben, doch ich habe niemals daran gerührt.

Ganz im Gegenteil erzählte ich immer allen Menschen, wenn die Rede auf meinen Vater kam, dass mich das Schlagen nicht wirklich „gejuckt“ hätte, denn mir sei bereits als Kind klar gewesen, dass mein Vater in Wirklichkeit eine schwache Persönlichkeit sei, denn nur ein Schwächling schlägt kleine Kinder. Ich hatte so gut wie keine Erinnerung an Schmerz, nur diese logische Erklärung, hatte kaum mehr ein Wissen von Weh und Ach oder von gedemütigten Gefühlen… das alles lag fein säuberlich verborgen im Unbewussten vergraben und ruhte dort ein halbes Jahrhundert vor sich hin. Von dort aus hat dieser Schattenteil allerdings sehr wohl gewirkt: er hat nicht nur mein ganzes Leben lang meine Partnerwahl gesteuert, sondern er hat auch die Probleme kreiert. Er hat mich Distanz suchen lassen, damit solches Weh und Ach mich niemals, niemals mehr würde finden können. So war es mir unmöglich gewesen, den Widerspruch zwischen einem immensen Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung und dem Drängen nach Distanz zu heilen.

Mein Freund und ich – wir haben nicht sehr viele Konflikte, doch diejenigen, die wir haben, und zwar ALLE generieren sich aus den Verletzungen in der Kindheit.

Es gibt in der Psychologie interessante Forschungen. Dort hat Karl-Heinz Brisch, Arzt, Psychiater ( http://www.khbrisch.de/) Folgendes in der Bindungsforschung beobachtet: Kinder, die sichere Bindungserfahrungen mit den Eltern gemacht haben (liebevolle Zuwendung, Hinwendung bei Trauer oder Schmerz, Körperkontakt und Zärtlichkeit), die also das Vertrauen entwickeln konnten, unter allen Umständen geliebt zu werden – solche Kinder schreien und weinen, wenn ein Elternteil den Raum verlässt.

Kinder jedoch, die unsicher gebunden sind, die also die Erfahrung gemacht haben, dass Eltern schimpfen, schreien, sich entziehen, keine Liebe zeigen – diese Kinder verziehen keine Miene, wenn das Elternteil den Raum verlässt, ja, sie tun so, als geschähe gar nichts, sie sind teilnahmslos und scheinen es gar nicht zu bemerken.

Genau das ist es, was ich in all meinen Beziehungen getan hatte. Ich hatte mich abgewandt, um mich unangreifbar zu machen. Ich hatte die Starke gespielt, die es schon alleine schafft, die niemanden braucht, die sich selbst genug ist, die alles mit sich alleine ausmachen kann. Wenn ich heute daran denke, kommen mir die Tränen, denn das ganze Desaster war so tief in mir verschlossen und verborgen, so versteckt und so dicht gemacht und Deckel drauf, dass ich gar nichts davon wusste.

Umso größer ist mein Dank und mein Glück, dass dieser Schmerz jetzt an die Oberfläche kommen darf! In jedem Konflikt mit meinem Freund kommt wieder ein Stück hoch, es ist, wie wenn Blasen im Wasser an die Oberfläche ploppen. Meine Psyche, die alten Programme, versuchen sehr wohl, die Gründe und Ursachen für einen Konflikt IHM (meinem Freund) hin zu schieben. Sie rechten, machen Vorwürfe, klagen an… Ich bin dabei immer die Gute, die von IHM schlecht behandelt wird. Es sind wirklich bemerkenswerte Geschichten, die da so aufsteigen – und sie sind überwiegend reine Phantasie, ohne jede Grundlage. Projektionen, Unterstellungen, Vorstellungen. Mein Freund hat schon manchmal schwer zu schlucken. Wir sagen uns alles, auch ich triggere bei ihm gewisse Punkte, doch das ist hier nicht das Thema… Und während ich die Geschichte raus lasse, steigen mit dem Aussprechen Gefühle auf, nicht selten auch Angst. Wir schonen uns nicht, wir sind dann auch voll in den Emotionen, wir sagen uns, wenn wir uns ärgern, sagen uns auch warum… und während sich die Vorwürfe abrollen, sehen wir uns an – in die Augen – und wissen mit einem Mal beide:  alles Quatsch.

Ich fühle in mich hinein, wende mich der Angst oder dem Schmerz zu, fragend – warum?  Woran erinnert mich das? – Und plötzlich übermannt mich das Alte. Mit einer solchen Macht und Wucht, dass es mich zerreißen will, und bevor mir das Herz zerspringt kommen Tränen wie Sturzbäche und die ganze alte Geschichte steht vor mir, wie mein Vater mich schlägt, so rücksichtslos und gemein ist, ich so ohnmächtig und ungesehen, nur ein Stück Dreck für ihn, ich offensichtlich kein Mensch, nichts wert…

Mein Freund nimmt mich dann in den Arm und hält mich einfach nur. Er tut das, was mein Vater hätte tun sollen: er hält mich. Er streicht mir über den Kopf. Er hat Mitgefühl. Er liebt mich.

Nach solchen „Anfällen“ ist mir immer wie frisch geduscht von Innen. Und unserer Beziehung tut das einfach nur gut.

Es ist so, als wollten jetzt allmählich alle alten Geschichten, alle Schmerzen und Verborgenheiten nach und nach ans Licht. Ich tue ja nichts, als es zuzulassen.

Was ist anders im Vergleich zu früher? Der Unterschied ist, dass ich mir meine eigenen Vorwürfe (an den Partner) nicht mehr glaube. Denn, wenn etwas triggert, liegt der Grund immer bei mir. Ich bin diejenige, die re-agiert. Da wo ein Hund (oder ein Schatz) begraben ist, da schießen Emotionen hoch – bei geringfügigen Anlässen. Wenn es dann gelingt, den Fokus bei mir zu behalten, anstatt den Anderen als schuldig hin zu stellen, wenn ich also hilflos werde und bei MIR hinschauen muss – dann können die Dinge aufsteigen und heraus drängen.

Die Wissenschaft sagt, dass die Beobachtung eines Versuchs das Ergebnis beeinflusst. Gott wird in der Christlichen Tradition dargestellt als Auge. Der Blick des Bewusstseins hat verändernde Wirkung. Das Licht des Bewusstseins gibt dem Geschehen einen „Drall“ oder  lässt  das „Problem“ sich gar auflösen. Bewusstsein ist wie ein Lichtstrahl. Es ist eine Freude, die Dinge zu beleuchten und in den Tag zu nehmen. Nie wieder möchte ich irgend etwas in die dunkle Kammer sperren. Zu schön ist es, wenn ich mal wieder wie von Innen geduscht hier sitzen darf und mir wieder einmal klar wird, was für ein wunderbares Geschenk dieses Menschenleben ist.

Wo habe ich das gelesen, die Engel würden die Menschen um den Körper beneiden, weil sie in diesem Körper eine ganz besondere Entwicklung machen können? Ich weiß es nicht mehr.  Wir Menschen haben ein Herz, wir haben Gefühle, wir kennen das Leid, wir kennen das Glück – es macht nichts, dass alles vergeht… Das Vergehen ist möglicherweise sogar der Sinn (Karma auflösen). Dazu braucht es den Weg. Der Weg ist das Ziel. Der Weg ist das Geschenk.

Weil es hier so wunderbar passt, möchte ich in diesem Beitrag nochmals das Video posten, das ich Marianne zu verdanken habe.

Bild oben: Gottesauge von Katrin de Robertis http://www.seelenheilung.de/Madero.html

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